Kapitel 22: Ortsveränderungen

Kitty und Juan haben ein großes Problem: Juan wohnt in London, wenn er nicht gerade für Promotion-Termine oder auf einer Tournee unterwegs ist, und Kitty wohnt und arbeitet in Köln. Wie sollen sie auf diese Weise zusammen leben können?

Zum Glück gibt es jemandem, dem es nicht egal ist, dass Kitty glücklich wird…

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Es klopfte. Kitty sah überrascht von den Zeitungsartikeln auf, die sie gerade in der Hand hielt. Außer ihr war noch jemand im Büro? „Herein!“
Werner Tumbstedt steckte den Kopf durch die Tür. „Gut, dass Sie noch da sind.“
„Kommen Sie rein, Werner“, sagte Kitty und räumte einen Stuhl frei, „was gibt es denn?“ Tumbstedt blieb stehen und sah sie nachdenklich an. „Ich habe heute Nachmittag einen Anruf aus Köln bekommen. Es war eine der Redaktionen, bei denen Sie sich beworben haben. Ich wollte warten, bis die anderen Kollegen weg sind, bevor ich mit Ihnen spreche, damit wir nicht ständig gestört werden.“
„Ja“, sagte Kitty zerstreut, während sie überlegte, in welchen Karton die Unterlagen in ihrer Hand gehörten, „bei mir hatte sich auch jemand gemeldet, dass eine Stelle frei wird. Ich muss mir die Mail noch genauer ansehen.“
„Ich weiß, dass man Sie angeschrieben hat“, sagte Tumbstedt, „ich bin zwar nicht unmittelbar entscheidungsbefugt, aber da Sie in den letzten drei Monaten hier gearbeitet haben, hat man mich um meine Meinung gefragt.“
„Und?“, fragte Kitty.
„Ich habe gesagt, ich bin dagegen.“ Kitty ließ sich mit offenem Mund auf ihren Stuhl fallen. „Sie sind dagegen???“, fragte sie verärgert, „warum???“ Um Tumbstedts Mundwinkel spielte ein seltenes Lächeln. „Weil ich eine bessere Idee habe.“ Kitty beobachtete ihn misstrauisch. Tumbstedt setzte sich lässig auf Kittys Schreibtischkante. „Kennen Sie Tom Kleber?“ Kitty überlegte kurz und nickte. „Ja, sicher. Von SENDER Regional. Ich habe vor ein paar Jahren mit ihm zusammengearbeitet.“ Tumbstedt nickte. Offenbar wusste er es schon und hatte nur ihre Bestätigung hören wollen. „Tom hat sich vor ein paar Monaten mit einer kleinen, aber feinen Produktionsfirma in London selbständig gemacht. Er liefert vor allem Interviews und Nachrichten aus Großbritannien für Hörfunk und Fernsehen, an deutsche Sender, aber er arbeitet auch eng mit der BBC zusammen. Er ist gut im Geschäft und braucht dringend Verstärkung.“
Kitty versuchte zu begreifen, worauf Tumbstedt hinaus wollte. „Und Sie haben an mich gedacht?“
„Der SENDER würde Sie an Tom sozusagen ausleihen. Erst einmal für sechs Monate, mit Option auf Verlängerung, aber das ist noch nicht sicher. Man verspricht sich davon, dass Sie Kenntnisse erwerben, die letztendlich dem SENDER wieder zugute kommen. Deswegen habe ich Sie in den letzten Tagen auch Interviews für den Hörfunk machen lassen. Tom hat sich einige Ihrer Berichte angesehen und angehört, und hat zugestimmt.“ In Kittys Kopf drehte sich alles. Die Achterbahnfahrt in ihrem Leben ging jetzt auch im Beruf weiter. „Sie haben flexible Stundenzahl, aber müssen sich natürlich mit Tom absprechen, er ist der Chef. Ich weiß, dass Sie nicht gerne vor der Kamera arbeiten, aber Interviews liegen Ihnen ganz offensichtlich, und Ihr Englisch ist hervorragend. Trotzdem werden Sie an dem einen oder anderen Interview-Coaching der BBC teilnehmen. Tom hat das bereits in die Wege geleitet.“
„Produktionsfirma?“, wiederholte Kitty mechanisch, „ab Januar? In London? Coaching bei der BBC?“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf. „Wollen Sie die Stelle denn nicht?“, fragte Tumbstedt erstaunt.
Kitty sprang auf. „Nicht wollen? Natürlich will ich sie!! Werner, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, das ist großartig!“ Ihr fehlten die Worte und so ging sie einfach auf ihn zu und drückte ihn einmal fest. „Wie soll ich Ihnen nur danken?“ Tumbstedt klopfte ihr verlegen auf den Rücken und schob sie wieder von sich. „Machen Sie einen guten Job, das ist mir Dank genug. Und nutzen Sie dieses Sprungbrett.“ Kitty nickte eifrig. Tumbstedt zwinkerte ihr zu. „Sie haben übrigens in den letzten Wochen so viele Überstunden angehäuft, dass Sie mit Ihrem Resturlaub zusammen den ganzen Dezember freinehmen können – das müsste für den Umzug reichen, oder?“ Herrje, einen Umzug nach London vorbereiten. Noch ein Punkt mehr auf ihrer Liste.

London

London

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