Sortieren…

Ich habe gerade im Regal neuen Platz geschaffen für alle Unterlagen, mit denen ich mich im Zuge meiner Recherchen für das Buch beschäftigt habe. Und einen Ordner angelegt für die ganzen Ausdrucke, die ich immer in der Bahn lese, als Hintergrundinformation. Und ich habe nicht schlecht gestaunt, was da alles zusammenkommt.

Unter anderem: Eine Klimatabelle Schottland, Loch Lomond. Wikipedia-Artikel über Schottland. Eine Internetseite einer Whiskydestillerie. Lange Artikel über Trauma, Bangkok und Spiegelneuronen. Informationen über Hochzeiten in England. Medizinische Artikel über Mariendistel, Arsenvergiftung, Heilkräuter, Phytotherapie, Polyphenole. Viele Karten, Internetseiten und sogar Bücher über La Gomera und die kanarischen Inseln. Noch mehr Artikel über Arsen und seine Wirkung. Ein Lageplan des St Thomas Hospitals in London. Intensivstation.

Und ganz zum Schluss fiel mir das hier in die Hände: das war der erste grobe Plan eines Ablaufs der Geschichte schlechthin. Ein Zeitstrahl. Hat jetzt nur noch ideellen Wert, denn vieles ist inzwischen ganz anders. Aber zur ersten Orientierung war’s nicht schlecht:

©doppeltdasbuch.wordpress.com

©doppeltdasbuch.wordpress.com

Advertisements

Polyphenole

Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gerechnet werden. Natürliche Polyphenole kommen in Pflanzen als bioaktive Substanzen wie Farbstoffe, Geschmacksstoffe und Tannine vor.
Viele Polyphenole gelten als gesundheitsfördernd. Pflanzen mit hohem Polyphenolgehalt sind beispielsweise die Apfelbeeren, die Blätter und Trauben der Weinreben, auch im Rotwein, die Schale und das Fruchtfleisch der Mangostanfrucht (Garcinia mangostana), der Saft des Granatapfels (Punica granatum), der unter anderem Punicalagin, Ellagsäure und Gallussäure enthält, Ginkgo, Tee, Zistrosen, die Samen von Perilla (Perilla frutescens, auch „Schwarznessel“ oder irreführend „Wilder Sesam“ genannt), Chinesische Zitronenmelisse. Darüber hinaus werden Polyphenole (Flavonoide) aus der Rinde von Pinien und aus Lärchenholz für den Einsatz in der Medizin extrahiert.
Einige Polyphenole wirken unter anderem entzündungshemmend und krebsvorbeugend. Im Rahmen verschiedener Studien mit Granatapfel-Polyphenolen wurde ein gehemmtes Wachstum von Krebszellen  beobachtet. Flavonoide und Anthocyane vermindern Fettablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen und beugen damit der Arteriosklerose vor.
Weiterhin konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass bei regelmäßigem Fruchtsaftkonsum das Risiko für eine Alzheimererkrankung um bis zu 76 % gesenkt werden kann, wofür ebenfalls Polyphenole verantwortlich gemacht werden.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Polyphenole

Kaffee

Die Zimmertür öffnete sich erneut und Dr. Armstrong kam herein. „Na, wie geht es uns heute?“

„Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, Doktor, aber mir geht es gut“, grinste Juan.

Dr. Armstrong lachte. „Der übliche Krankenhausjargon. Manchmal bin ich auch nicht frei davon.“ Er setzte sich auf die Bettkante und sah auf die Krankenakte, die Schwester Rose auf dem Nachttisch deponiert hatte. „Blutdruck immer noch ein bisschen zu niedrig?“

„Das liegt nur an der Plörre, die ich hier zum Frühstück bekomme. Eine richtig schöne Tasse Kaffee, und alles ist in Ordnung“, maulte Juan.

„Okay“, sagte Dr. Armstrong.

„Was, okay?“

„Sie bekommen Ihren Kaffee. Aber nur eine Tasse, als Test. Wenn der Blutdruck dann nicht gerade durch die Decke geht, können Sie ab sofort jeden Tag welchen haben. “

Juan lächelte erleichtert. „Danke, Doktor.“

„Ich vermute nämlich, dass Ihre Kopfschmerzen Entzugserscheinungen sind.“

Juan runzelte die Stirn. „Entzugserscheinungen? Ist Kaffee denn eine Droge?“

Dr. Armstrong nickte. „Medizinisch und pharmakologisch gesehen, ja, das enthaltene Koffein. Der Körper gewöhnt sich daran und reagiert auf Entzug mit Kopfschmerzen, das kommt häufig vor. Wir werden es ausprobieren.“ Er stand wieder auf und klopfte Juan auf die Schulter. „Ich sage Schwester Rose, Sie soll Ihnen eine schöne Tasse machen. Aber nicht aus der Klinikküche, sondern von dem aus dem Schwesternzimmer, einverstanden?“

Juan strahlte. „Wunderbar. Bitte schwarz mit etwas Zucker.“

„Sehr wohl, der Herr“, sagte Dr Armstrong, „kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“

Juan grinste, das Spiel machte Spaß. „Reservieren Sie für meine Frau und mich bitte ein Séparée. Ich möchte mit ihr allein sein, wenn sie kommt.“

Dr. Armstrong warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Juan, mein Lieber, wir haben doch schon darüber gesprochen. Haben Sie noch ein paar Tage Geduld.“

Juan seufzte. „Sie fehlt mir.“

„Das kann ich verstehen, Kitty ist etwas ganz Besonderes.“ Er zwinkerte Juan zu. „Halten Sie sie gut fest.“

Grundriss

Auch so kann die Vorarbeit für ein Buch aussehen: mir vorzustellen, wie die Menschen leben, die ich beschreibe.

Ramón zum Beispiel lebt in einer Art selbstgezimmertem Blockhaus (und ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass es genau dieses Blockhaus irgendwo auf La Gomera gibt ;-)).  Wände und Boden sind aus grob abgeschliffenem Holz, ebenso die Möbel. Ein bisschen Robinson-Crusoe-mäßig, und eigentlich ist es ja auch fast so.

Der Grundriss ist in etwa dieser hier, entstanden ist er schon im Dezember 2009:

©doppeltdasbuch.wordpress.com

©doppeltdasbuch.wordpress.com

Erwachen

Kalt. Dunkel. Juan fröstelte. Er versuchte zu protestieren gegen die Kälte, aber er brachte keinen Laut hervor, so sehr er es versuchte. Er konnte die Arme nicht bewegen, etwas hielt ihn fest. Dann fühlte er, dass er herumgedreht wurde. Kalt. Hände auf seinem Körper. Dann legte sich wieder etwas Warmes auf ihn. Er versank wieder im Nichts.

Ein Zischen, nein, eher ein Fiepen. Etwas drückte seinen Arm. Juan schaffte es nicht, die Augen zu öffnen. Stimmen ganz nah und doch wie von weit weg. Dumpf. Als ob er unter Wasser wäre. Ein rhythmisches Dröhnen in seinen Ohren. Er hörte seinen eigenen Herzschlag, sein Blut in den Adern rauschen. Sein Herz pumpte sein Blut durch seinen Körper. Ein stetiger Strom, immer im gleichen Rhythmus, anschwellend, abschwellend.

Er bewegte mühsam die Lippen, aber brachte keinen Laut hervor. Diese winzige Bewegung setzte sich wie eine Welle fort bis in seinen Hals. Juan fühlte, dass seine Kehle schmerzte. Erschöpfung trug ihn wieder ins Dunkel.

Bunte Schlieren und Schleifen vor seinen Augen. Das seltsame Gefühl, zu schweben und gleichzeitig schwer wie Blei zu sein. Dann wieder ein wacher Moment. Juan fragte sich, wo er war, Gedankenfetzen wanderten herum und narrten ihn und er konnte sie nicht festhalten. Dieses Dunkel, die Schwere, das Zischen, das Rauschen, er hatte keinen Namen dafür. Er fühlte sich hilflos und es machte ihm Angst.

Er versuchte wieder, sich zu bewegen und fühlte unter seinen Händen etwas Weiches, das trotzdem fest war. Stoff. Und etwas stach in seinen Handrücken. Es war so anstrengend, die Hände zu bewegen. Schritte, Stimmen. Eine dunkle Stimme, eine helle. Moll und Dur, männlich, weiblich. Zischen, Rauschen, Fiepen, Dunkel.

Impressionen

Juan hat in dieser Woche die Nerven ein bisschen blank liegen…

********

Juan antwortete nicht sofort. Er pustete in seinen Kaffee, weil er noch heiß war, nippte vorsichtig, stellte die Tasse wieder hin und sah gedankenverloren aus dem Fenster.

“Die Fans sehen nur die Fassade, die vielen Reisen, Business Class im Flugzeug, Luxushotels, das Strahlen auf der Bühne, das Flirten, den Spaß, den wir haben. Scheinbar haben. Sie wollen Antworten auf alle ihre Fragen, und sie glauben, sie haben ein Recht darauf, sie zu bekommen. Manche sind so verrückt, dass sie meinen, wir seien nur auf Sex aus, oder sie erwarten, dass wir ihnen stehenden Fußes einen Heiratsantrag machen. Und das alles nur, weil sie glauben, mit dem Konzertticket haben sie uns gleich mitgekauft.“

„Und wenn die Lichter auf der Bühne ausgehen?“ fragte Kitty vorsichtig, „Was ist dann? Wenn Ihr ins Hotel zurückfahrt. Seid Ihr einsam?”

“Wir hängen pausenlos am Handy oder im Internet, um irgendwie den Kontakt zu Familie und Freunden zu halten. Nur um festzustellen, dass die Verbindung mit jedem Tag, den wir länger unterwegs sind, schwächer wird. So vieles ist missverständlich, wenn man sich nur schreiben kann.”

Kitty spielte nachdenklich mit dem Anhänger ihrer Kette herum. „Bist Du es nicht manchmal leid, Juan?“

Juan nickte kaum merklich, aber sah sie nicht an. “Das wäre undankbar, oder? “

Kitty schüttelte den Kopf. “Ich weiß, dass Du dankbar bist für alles, was Du hast. Aber Du hast auch hart dafür gearbeitet. Ich meinte, ob Du sie nicht manchmal satt hast, diese Fans. Fotografiert zu werden wie ein Tier im Zoo, nachts allein zu sein, immer wieder in einem anderen Hotelzimmer, morgens nicht zu wissen, wo Du bist, ständig angefasst, geküsst oder umarmt zu werden von wildfremden Menschen, geliebt zu werden nur wegen des Glamours.“

Juan drehte den Kopf zu ihr herum. „Irgendetwas in dieser Richtung, ja. Ich möchte einfach nur mit Respekt behandelt werden, nicht mehr und nicht weniger. Und ich habe nie die Chance zu zeigen, wie ich eigentlich wirklich bin, dann würde es noch viel schlimmer. Es ist ein extremes Leben zwischen Euphorie und Abscheu.“ Juan legte einen Arm um Kittys Schultern und küsste sie auf die Wange. „Wie ich wirklich bin, das weißt nur Du. Ich hatte ja überhaupt keine Chance, mich vor Dir zu verstecken.“

Kitty grinste. “Und Du wirst auch keine mehr bekommen.“